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Geburtsgeschichte von Sarah: Eine Geburt in Beckenendlage

Aktualisiert: 26. März

Eine Geburt in Beckenendlage – eine persönliche Erfahrung

Meine erste Schwangerschaft war sehr schön und unkompliziert. Wir hatten uns recht schnell nach unserer Hochzeit ein Baby gewünscht – und es hat auch tatsächlich schnell geklappt, ich glaube schon im zweiten Zyklus. Wir waren beide sehr glücklich darüber. Von Beginn an haben wir viel gelesen und uns informiert. Wir hatten recht konkrete Vorstellungen davon, wie es sein könnte, ein Kind zu haben und wie wir uns die Geburt wünschen würden.


Vorbereitung in der Schwangerschaft

Ich hatte Lust in der Schwangerschaft Yoga zu machen. Ich hatte ohnehin schon vorher Yoga praktiziert. In dieser Zeit hat es mir besonders geholfen, einmal bewusst zur Ruhe zu kommen und Pausen einzulegen. Ich hatte damals ein sehr hohes Arbeitspensum. Der Yogakurs fand deshalb ganz bewusst vormittags während meiner Arbeitszeit statt – dafür habe ich sogar Überstunden abgebaut.

Vor allem die Atemübungen waren unglaublich wertvoll. Wir haben jede Woche für die Geburt geübt und verschiedene Geburtspositionen ausprobiert. Eine davon wurde später tatsächlich die Position, in der mein Kind geboren wurde.


Die Diagnose: Beckenendlage

Irgendwann stellte sich heraus, dass mein Baby in Beckenendlage lag – also mit dem Po nach unten. Zunächst hatten wir noch Zeit und hofften, dass es sich vielleicht noch drehen würde und dann wurde es zeitlich knapp. Meine damalige Gynäkologin sagte damals relativ klar: „Beckenendlage bedeutet Kaiserschnitt“ und stellte mir direkt eine Überweisung fürs Krankenhaus aus.

Das hat mich zunächst sehr geschockt. Gleichzeitig begann ich, mich selbst zu informieren – und stellte nach einigen Gesprächen fest, dass ein Kind in Beckenendlage nicht automatisch per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden muss.

Besonders die Geschichte einer anderen Frau, die ihr Kind ebenfalls in Beckenendlage natürlich geboren hatte, hat mich sehr bestärkt. Ich hatte mir immer gewünscht, mein Kind vaginal auf die Welt zu bringen, und hatte große Angst vor einem Kaiserschnitt.

Aber auch meine damalige Hebamme sagte mir, dass ein Kaiserschnitt wahrscheinlicher sei.


Unterstützung in der Klinik

In unserer Wunschklinik wurden wir dagegen sehr darin bestärkt, es mit einer natürlichen Geburt zu versuchen. Einige Faktoren mussten dafür passen: Unter anderem wurde das Verhältnis von Kopf, Schultern und Bauchumfang überprüft sowie Größe und Gewicht des Babys.

Die restliche Schwangerschaft verlief weiterhin unkompliziert. Ich war nur zwei- oder dreimal zur Kontrolle in der Klinik. Dort wurde mir immer wieder gesagt, dass wir es versuchen können – und dass jederzeit noch ein Kaiserschnitt möglich wäre, falls es doch nicht funktionieren sollte.

Die letzten Wochen der Schwangerschaft waren etwas getrübt. Immer sagten Menschen in unserem Umfeld, wie gefährlich eine natürliche Geburt in Beckenendlage sei. Es war nicht immer leicht, trotz solcher Kommentare im Vertrauen zu bleiben.

Natürlich probierte ich auch verschiedene Übungen aus, die empfohlen werden: die indische Brücke, das „den Weg zeigen“ mit einem Glöckchen oder sogar eine Taschenlampen-Übung. Wir haben wirklich alles versucht.

Gleichzeitig waren wir froh über einen Gedanken: Die Geburt würde von selbst beginnen. Unser Kind durfte also selbst entscheiden, wann es soweit war. Das war uns wichtig.


Der Beginn der Geburt

Die Geburt begann schließlich mit einem Blasensprung um 23 Uhr. Kurz danach setzten auch schon Wehen ein – und zwar ziemlich regelmäßig.

Eigentlich heißt es ja häufig, dass man nach einem Blasensprung noch etwas Zeit hat. Deshalb bin ich erst einmal duschen gegangen. Währenddessen maß mein Mann die Abstände zwischen den Wehen – sie lagen schon bei etwa fünf Minuten. Ich wollte unbedingt noch eine Banane essen, das habe ich dann auch noch gemacht. Danach sind wir losgefahren.  


Im Kreißsaal

Das Team im Krankenhaus wusste bereits Bescheid. Als wir gegen Mitternacht ankamen, wurden wir direkt empfangen. Eine wunderbare Hebamme betreute uns. Mein Mann musste zunächst einen Coronatest machen, und ich machte mich allein mit meiner Tasche auf den Weg Richtung Kreißsaal. Die Wehen waren inzwischen ziemlich stark – und ich lief erst einmal in die falsche Richtung.

Als ich schließlich ankam, untersuchte mich die Hebamme. Der Muttermund war bereits 7 cm geöffnet.

Sie rief sofort an der Pforte an, damit mein Mann nach oben kommen konnte. Kurz darauf kam auch ein Oberarzt dazu, der viel Erfahrung mit Beckenendlagengeburten hatte. Zwischen ihm und der Hebamme herrschte eine tolle Verbindung – beide waren ruhig und entspannt.

Sie fragten mich, ob ich Vorstellungen von meiner Geburtsposition hätte. Als ich erzählte, dass ich Yoga gemacht hatte, schlugen sie den Vierfüßlerstand vor. Ich probierte ihn aus – und merkte sofort: Das ist überhaupt nicht meine Position.


Die Geburtsposition

Die tiefe Hocke hingegen fühlte sich richtig an. Diese Position hatte ich im Yoga häufig geübt. Es war erstaunlich, wie lange ich darin bleiben konnte. Am Ende saß ich auf einem Geburtshocker und fühlte mich dort wirklich gut.

Da Beckenendlagengeburten relativ selten sind, war meine Geburt auch für das Team etwas Besonderes. Eine Hebammenstudentin kam dazu, und der Arzt fragte, ob noch zwei Medizinstudenten dabei sein dürften. Mir war das völlig egal. Ich war ganz bei mir und fühlte mich durch das Team sehr gut getragen.

Obwohl ich eigentlich ein sehr rationaler Mensch bin, sagte mir mein Bauchgefühl ganz klar: So möchte ich mein Kind zur Welt bringen. Ich war am Boden auf einer großen Yogamatte. Das Team saß im Schneidersitz im Kreis um mich herum, mein Mann hinter mir. Es fühlte sich fast ein bisschen an wie in einer Sportstunde – irgendwie surreal.


Die Geburt

Zwischendurch fragte ich nach Lachgas. Eine PDA wollte ich eigentlich nicht. Als ich doch danach fragte war es bereits zu spät.

Ich sagte irgendwann: „Jetzt kann ich nicht mehr.“ Die Hebamme lächelte und sagte: „Das ist ein gutes Zeichen – dann ist es gleich soweit.“ Das Lachgas half nur kurz. Der Oberarzt empfahl schließlich, die Maske wegzulassen, damit ich mich besser konzentrieren konnte. Er sagte: „Sie kommt aus ihrer Ruhe.“

Als die Maske weg war, wurde mein Kind zwei Wehen später um 3:45 Uhr geboren – Körper und Kopf in einer einzigen Wehe. Der Oberarzt fing das Baby auf – das war das einzige Mal, dass er aktiv eingreifen musste. Kurz darauf lag mein Kind schon auf meiner Brust. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Auch mein Mann war ganz nah dabei. Das war unglaublich schön.

Die Zeit danach

Für die Geburt der Plazenta wechselte ich auf das Bett, außerdem wurde eine Geburtsverletzung versorgt.

Bei der Blutabnahme aus der Nabelschnur stellte sich leider heraus, dass der pH-Wert nicht optimal war. Deshalb musste unser Baby zur Überwachung auf die Kinderstation. Das war zunächst ernüchternd.

Zum Glück blieb mein Mann dabei. Nachdem ich versorgt worden war, konnte ich ebenfalls dorthin. Unser Kind wurde etwa anderthalb Tage überwacht und musste die ersten 24 Stunden in einem Bettchen liegen, was den Stillstart etwas erschwert hat.

 

Rückblick

Nach der Geburt war ich vor allem unglaublich erleichtert und auch stolz. Das Team im Krankenhaus war sehr begeistert. Natürlich freuen sie sich immer über Geburten, die gut verlaufen – aber ich konnte spüren, dass diese Geburt für sie etwas Besonderes war.

Am nächsten Tag kam sogar ein Arzt vorbei, der eigentlich gar keinen Dienst mehr hatte. Seine Frau war schwanger, und ihr Baby lag ebenfalls in Beckenendlage. Er stellte mir ein paar Fragen und sagte schließlich:

„Ich habe gehört, Sie hatten eine ganz tolle Geburt.“ In diesem Moment war ich einfach nur froh, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben. Diese Erfahrung hat mich so glücklich gemacht, dass ich mir vorgenommen habe, anderen davon zu erzählen.

Eine Beckenendlagengeburt ist sicher nicht für jede Familie der richtige Weg – und das muss sie auch gar nicht sein. Wichtig ist nur, dass sich die Entscheidung für die eigene Familie richtig und stimmig anfühlt.

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