Geburtsbericht 2. Klinikgeburt mit Hypnobirthing
Nach zwei Fehlgeburten war ich mit meinem Sohn das vierte Mal schwanger. In dieser Schwangerschaft wurde ich von gemischten Gefühlen begleitet. Die Angst, ihn zu verlieren, war lange da – auch als ich seine Bewegungen schon spüren konnte, wurde sie nur langsam leiser. Dazu kam meine Autoimmunerkrankung, die mir zusätzlich Sorgen machte, ob nach der Geburt alles gut sein würde.
Ab der 12. Woche bin ich wieder mit dem Yoga eingestiegen und bis zum Schluss dabeigeblieben. Die festen Termine haben mir geholfen, mich zu motivieren und gut für mich zu sorgen – gerade an den Tagen, an denen die Sorgen lauter waren als sonst.
Warum ein klassischer Geburtsvorbereitungskurs diesmal nicht gereicht hat
Bei meiner ersten Schwangerschaft hatten wir einen klassischen Geburtsvorbereitungskurs gemacht. Er hatte uns gefallen, aber er ging uns nicht tief genug – und das meiste davon wussten wir beim zweiten Mal ohnehin schon. Trotzdem wollten wir uns noch einmal bewusst mit dem Thema Geburt auseinandersetzen. Auch meinem Sohn wollten wir auf eine gewisse Art schon vor seiner Geburt etwas mitgeben.
Wenn ich an meine erste Geburt zurückdachte, wusste ich: Sie war schön , abr ich hatte mich zwischendurch auch überfordert gefühlt. Manchmal konnte ich nicht mehr richtig atmen. Und ich überall hörte, dass zweite Geburten oft schneller gehen, wollte ich diesmal besonders gut vorbereitet sein.
So haben wir uns für den Kurs mentale Geburtsvorbereitung bei Katrin entschieden – und das hat für mich einen riesigen Unterschied gemacht. Die Techniken, die wir dort gelernt haben, vor allem aber die Hypnose, haben mir enorm geholfen. Mit Hypnobirthing hatte ich mich schon in meiner ersten Schwangerschaft ein bisschen beschäftigt, einen Podcast gehört – aber richtig anwenden konnte ich es damals nicht. Diesmal wollte ich es wirklich lernen. Und bei seiner Geburt konnte ich es dann tatsächlich nutzen.
Auch die Affirmationen aus dem Kurs haben mir sehr geholfen. Ich suchte mir ein paar Sätze aus, schrieb sie auf Post-its und klebte sie an meinen Spiegel. Einer davon begleitet mich bis heute: „Ich bin die perfekte Mama für meine Kinder.“ Wenn mir heute noch alles zu viel wird, sage ich mir genau diesen Satz. Er hat sich richtig in mir eingebrannt.
Der Tag, an dem es losging
An dem Morgen, bevor es losging, habe ich von neun bis elf Uhr geschlafen – etwas, das ich sonst nie mache. Aber an diesem Tag dachte ich einfach: Jetzt lege ich mich noch einmal hin. Gegen elf sagte mein Mann Tim zu mir: „Komm, jetzt steh mal auf. Wir gehen eine Runde spazieren – wir laufen das Kind jetzt raus.“ Ich drehte mich im Bett um – und merkte sofort: Blasensprung. Wir wussten beide direkt, dass wir jetzt fahren mussten.
Vom Blasensprung bis zu seiner Geburt vergingen nur eine Stunde und fünfundvierzig Minuten. Davon waren wir nur rund 45 Minuten im Kreißsaal.
Im Auto lag ich schräg auf dem Sitz und konnte die Wehen nur mit der Geburtshypnose und konzentrierter Atmung veratmen. Wir haben kaum gesprochen. Auch hier hat uns der Kurs sehr geholfen: Tim wusste genau, was ich wollte und was nicht, und was er ganz konkret tun konnte, damit ich mich vollständig auf die Geburt konzentrieren konnte.
Von außen betrachtet hatten wir dabei alles andere als gute Voraussetzungen. Die Autobahn war gesperrt, das Parkhaus der Klinik voll, und auch der Kreißsaal war komplett ausgelastet – an diesem Tag fanden dort rund fünfzehn Geburten statt. Eine andere Frau wurde sogar aus dem Kreißsaal geschoben, weil klar war, dass es bei uns nicht mehr lange dauern würde. Mitten in dieser kurzen Zeit gab es sogar noch einen Schichtwechsel.
Die Geburt selbst
Eigentlich wollte ich ihn gern im Wasser gebären. Das Team versuchte noch, das möglich zu machen, aber ich merkte schnell, dass es dafür zu spät war. Zuerst probierte ich die tiefe Hocke als Geburtsposition, doch das fühlte sich unangenehm an, war schmerzhaft, und es bewegte sich nichts. Dann wechselte ich in den Vierfüßlerstand, mit einem Pezziball und Tim vor mir.
In dieser Position wurde alles anders. Die starken Schmerzen aus dem Auto waren plötzlich weg, es blieb eher ein intensives Druckgefühl. Zuerst wurde sein Kopf geboren – ein ganz merkwürdiges Gefühl, zu wissen, dass sein Kopf schon draußen war, während sein Körper noch in mir steckte. Hinter mir hörte ich jemanden sagen: „Ach, der guckt uns ja schon an!“ Und ich erinnere mich, dass er in diesem Moment schon anfing zu weinen.
Während sein Körper geboren wurde, riss auch die Geburtsverletzung aus meiner ersten Geburt wieder auf – das habe ich gespürt. Aber insgesamt war die Geburt bei weitem nicht so schmerzhaft, wie ich erwartet hatte. Er wurde von den Geburtshelfern aufgefangen, und ich durfte ihn mir selbst hochheben. Dieser Moment war unglaublich schön. Obwohl ich erschöpft war, fühlte ich mich gleichzeitig unglaublich fit – vielleicht auch wegen meines Schläfchens am Morgen. Ich hätte in dem Moment das Gefühl gehabt, einfach nach Hause gehen zu können.
Nach der Geburt – nicht alles lief, wie ich es mir gewünscht hatte
Beim ersten Check stellte sich heraus, dass sein Blutzuckerwert und ph-Wert nicht optimal war. Das erschwerte auch den Stillstart, weil er zunächst im Bettchen liegen sollte und ich mich frisch nach der Geburt zum Stillen über ihn beugen musste. Das hat die Euphorie über die schöne Geburt etwas gedämpft. Zum Glück konnte Tim noch eine Nacht bei uns bleiben, auch wenn wir wegen Überfüllung auf eine andere Station verlegt wurden. Eine Stillberatung haben wir in der Klinik nicht bekommen, sodass die erste Zeit nach der Geburt nicht ganz so war, wie ich sie mir gewünscht hätte.
So ist es manchmal, wenn man sich für eine Geburt im Krankenhaus entscheidet – man hat Glück, oder eben nicht. Trotzdem würde ich heute jeder Frau empfehlen, sich mental auf die Geburt vorzubereiten. Und ich würde jeder Schwangeren raten, schon in der Schwangerschaft einen Stillkurs zu besuchen.
Was ich heute jeder Schwangeren mitgeben möchte
Zu wissen, was man möchte – und was man nicht möchte – ist unglaublich wichtig. Ich hatte eine Geburtswunschliste geschrieben und diese auch vorher kommuniziert. Darin stand unter anderem, dass ich nach der Geburt nicht standardmäßig Oxytocin bekommen möchte. Als Tim bemerkte, dass genau das vorbereitet wurde, wies er das Team darauf hin – und im nächsten Moment kam die Plazenta ganz von allein. Auch der Zugang, der mir standardmäßig gelegt worden war, wurde am Ende gar nicht gebraucht. Es hat mich verwundert, wie selbstverständlich manche Abläufe in der Klinik einfach passieren, wenn man nicht vorher klar sagt, was man möchte.
All das gehört zu seiner Geschichte. Und zu unserer. Trotz kleiner Stolpersteine war seine Geburt für mich eine kraftvolle, schöne Erfahrung – eine, an die ich sehr gern zurückdenke. Eine, die mich daran erinnert hat, wie viel Kraft in mir steckt. Und wie sehr ich ihn schon erwartet hatte.
.png)
Kommentare